Wir müssen reden – Kommunikationsbedarf als Chance verstehen

Wir müssen reden - Kommunikation in der Beziehung

Die Kommunikation in der Beziehung ist eines der schwierigsten Themen. Egal ob Lebenspartnerschaft, lange Beziehung oder Ehe, irgendwann fällt der Satz: "Wir müssen reden." Davor haben viele Angst. Doch das muss nicht sein.

Stimmen die Grundbedingungen, können klärende Gespräche eine ganz neue Nähe zu deinem Partner hervorrufen. 

Die Kommunikationsfähigkeit in einer Beziehung ist mit eine der Säulen, welche die Beziehung am sichersten zusammenhält.

Was macht eine Beziehung aus?

Wurde die große Liebe einst gefunden, ist es gar nicht so leicht, sie zu behalten.

Viele Paare kommen in ihrer Beziehung irgendwann an einem Punkt an, wo sie vollkommen zufrieden sind. Der Alltag hat sich eingependelt, die Liebe und die Leidenschaft sind frisch ... Tipps für eine gute Beziehung sind in den Hintergrund geraden, es läuft ja alles.

Eine Liebesbeziehung ist aber ein sich ständig ändernder Prozess, welcher auch Arbeit verursacht. 

Nur so können Liebe, Vertrauen und Wertschätzung - die drei Grundpfeiler einer Beziehung - wachsen und erhalten bleiben.

Stagnation und Routine sind ein häufiges Problem bei Paaren und einer von beiden ist in diesen Fällen bald unglücklich in der Beziehung.

Hinterfragt euer gemeinsames Leben daher immer wieder.

  • Mit was seid ihr glücklich?
  • Wo fehlt euch vielleicht noch etwas? 
  • Erfüllt das Beziehungskonzept, welches ihr lebt, wirklich eure Erwartungen?

Egal ob eine feste Partnerschaft oder eine On-Off-Beziehung, manchmal verändern sich die Bedürfnisse. Der Mensch ist selten an einem Punkt vollkommen zufrieden und bleibt dies ewig. Wir verändern uns mit der Zeit, schließlich entwickeln wir uns weiter.

Hin und wieder die Beziehung auffrischen: Das lässt sie interessant bleiben und schafft noch einmal den Reiz des Neuen. Um an diesen Punkt zu kommen, braucht es vor allem eins: Kommunikation in der Beziehung. Diese ist essenziell, ohne sie funktioniert gar nichts.

Die gute Nachricht ist, Kommunikation lernen ist möglich, auch in einer Beziehung.

wir müssen reden

Regeln für eine offene Kommunikation

Über was kann man reden? Bevor wir uns diese Frage stellen, sollten wir erst einmal definieren, WIE man richtig redet. Nicht nur auf den Inhalt kommt es an, sondern auch darauf, wie du ihn verpackst.

Dazu gibt es hier vier grundlegende Tipps:​

1. TIPP - Wir müssen reden: Ich-Botschaften übermitteln

Eine positive Kommunikation zeichnet sich dadurch aus, dass wir dem anderen unsere Anliegen in der Ich-Botschaft übermitteln. Das heißt, du sprichst von deinen Bedürfnissen und deinen Wünschen

Eine Du-Botschaft wird nicht selten als Vorwurf und Kritik verstanden. Oftmals geht der andere bei solch einem "Angriff" (unbewusst) auf Abstand, bevor es zu einem richtigen Gespräch kommt.

Miteinander reden in einer Beziehung ist wichtig, es muss nur richtig angegangen werden. Gerade wenn Diskussionspotenzial und Konflikte in der Luft liegen, sind Ich-Botschaften ein gutes Werkzeug. Sie entkrampfen schwierige Gesprächssituationen und heben das Gespräch auf eine persönliche Ebene.

Indem du nur von dem anderen sprichst, wird die Kommunikation unpersönlich. Dein Partner erfährt zwar, was er alles nicht und falsch macht, aber nicht, was dich bewegt. Außerdem ist er viel offener, nimmt dich ernster und hört sich dein Anliegen ruhiger an, wenn du von dir sprichst.

Auf eine Du-Botschaft wird kaum jemand offen und kooperativ reagieren.

Nicht selten verleitet uns eine emotionale Situation dazu, dem anderen auch noch laut und aggressiv gegenüberzutreten. Die Folge sind Rückzug, ein Gegenangriff oder Schweigen. So kann kein produktives Gespräch zustande kommen. 

2. TIPP - Wir müssen reden: zu einem Gespräch gehören immer Zwei

"Schatz, wir müssen reden." Die Betonung liegt auf "wir".

Zu einer Beziehung, zu einem Streit und auch zu einem Gespräch gehören beide Partner. Auch wenn es in manchen Situationen nicht leicht ist und du dich vielleicht im Recht siehst, zählt auch der Standpunkt des anderen.

Das heißt im Klartext: Jeder hat die Gelegenheit sein Anliegen und seine Sicht der Dinge dem anderen mitzuteilen.

Ins Wort fallen und dem Partner die eigene Meinung aufdrücken ist dabei tabu. Zuhören und Verständnis zeigen ist hingegen Pflicht.

Wichtig ist, dass das Gespräch auf Augenhöhe stattfindet. Dabei ist es vorteilhaft, dem Gegenüber hin und wieder zu signalisieren, dass man ihm aktiv zuhört. Das kann durch ein bejahendes Nicken oder eine kurze Zusammenfassung seiner Worte passieren. Möglich ist es auch, gezielt auf seine Aussagen ein paar Nachfragen zu stellen.

Diese Tipps mögen unsinnig erscheinen, da sie die Basics einer jeden Kommunikation sind. Dennoch gibt es viele Gesprächssituation, in denen einer der Teilnehmer redet und vollkommen blind für sein Gegenüber ist. Das ist leider auch in Partnerschaften der Fall.

3. TIPP - Wir müssen reden: den richtigen Zeitpunkt und Ort für das Gespräch wählen

"Wir müssen reden! Aber bitte nicht hier und jetzt!" Zeit und Ort einer Aussprache können fundamental für dessen Ausgang sein.

Zunächst einmal gilt, für ein klärendes Gespräch sollte sich Zeit genommen werden. Das Ende wird durch die Lösungsfindung bestimmt und nicht von einem Termin oder dem Fernsehprogramm. Eine wichtige Aussprache zwischen Tür und Angel durchzuführen, geht in den seltensten Fällen gut.

Auch der Ort des Geschehens ist ein wichtiger Indikator. 

Beliebt sind öffentliche Plätze, wie Kaffees oder Parks. Hier ist die Gefahr, dass es laut wird oder zu einem emotionalen Ausbruch kommt nicht so hoch.

Das mag zwar sein, dennoch ist ein ungestörtes Plätzchen sinnvoller. Was bringt es, wenn ihr euch zusammenreisen müsst und nicht das rauslassen könnt, was dringend raus muss? Rücksicht auf Menschen, die ihr nicht mal kennt, muss in einer solchen wichtigen Situation nicht sein. Wenn es mal laut wird oder einer von euch in Tränen ausbricht, dann ist das eben so.

Alles besser, als die eigenen Emotionen zu unterdrücken ...

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4. TIPP - Wir müssen reden: mit Blick auf das Positive kommunizieren

Beziehungsgespräche müssen nicht automatisch Probleme beinhalten. Viele Paare sprechen erst dann richtig miteinander, wenn irgendetwas nicht stimmt.

Leider liegt es in der Natur des Menschen, sich zu oft auf das negative im Leben zu beschränken. 

Das ist schade, denn wir haben es in der Hand, ob wir unseren Alltag und unsere Beziehungen positiv gestalten. Selbst in einem Krisengespräch tut ein Paar gut daran, sich an die glückliche Beziehung zu erinnern. Es ist nicht alles schlecht, du hast vielleicht nur das Schöne aus den Augen verloren.

Wie leicht und wie oft kommen uns negative Formulierungen über die Lippen. Diese bringen dich weder voran, noch helfen sie dir dabei, die Vergangenheit hinter dir zu lassen. Vielmehr ziehen sie dich herunter und versperren dir den Weg für das Gute in eurer Partnerschaft.

Auch dem Partner ein Lob auszusprechen ist eine gute Sache. Jeder von uns mag etwas Anerkennung, auch von dem Menschen, mit denen wir ständig zusammen sind.

So könnte zu Beispiel ein Ausschnitt aus einem klärenden Gespräch mit positivem Einschlag aussehen:

"In letzter Zeit haben wir uns vermehrt aus den Augen verloren. Leider macht jeder seine Sachen mit sich selbst aus. Das finde ich sehr schade. Vielleicht können wir probieren, als Paar wieder mehr zusammen zu rutschen. So wie es am Anfang unserer Beziehung war, als wir noch alles miteinander geteilt haben. Letztes Wochenende hatten wir so einen Moment, als wir abends beieinander saßen und bis in die Nacht miteinander sprachen."

5. TIPP - Wir müssen reden: diese Beziehungsthemen sollten in der Partnerschaft besprochen werden

Eine gute Kommunikation ist wichtig in einer Beziehung, das ist Fakt. Doch über welche Themen unterhalten sich glückliche Paare eigentlich?

Das Thema ist nicht mal so wichtig, es ist eher von Bedeutung, dass eine Kommunikation stattfindet. 

Erst wenn ein Paar im selben Raum sitzt und sich anschweigt, wird es schwierig. Es müssen nicht immer anstrengende Beziehungsgespräche und tiefste innerliche Prozesse sein. Small Talk ist alltagstauglich und das gilt auch für ein Paar.

Tiefe und intime Gespräche sind etwas Wunderbares, aber sie müssen sich entwickeln. Sie können nicht erzwungen werden und ergeben sich meist spontan.

Die Ansage: "Wir müssen reden!" sollte dann doch eher die Ausnahme bleiben. Es ist definitiv kein Vorbote von einem Beziehungsproblem, wenn ihr euch oberflächlich von eurem Tag berichtet.

Die "Don't worry, be happy" Einstellung ist auch als Paar vollkommen in Ordnung. Schließlich will man sich in der Partnerschaft fallen lassen und sich nicht jeden Tag mit existenziellen Fragen des Lebens beschäftigen.

Natürlich sollte es das auch geben. Ernsthafte und schwierige Gespräche gehören ebenfalls dazu. Es ist nur wichtig, dass ihr den Druck aus eurer Beziehung nehmt, dass diese allgegenwärtig sein müssen.

Für emotional tief gehende und bedeutsame Gespräche wirst du nicht immer bereit sein. Bist du es aber, ist dein Partner der richtige Zuhörer. Vorausgesetzt, du vertraust ihm und kannst dich in seiner Gegenwart fallen lassen, dann kannst du ihm alles erzählen.

Da es verschiedene Phasen einer Beziehung gibt, solltest du zunächst erkennen, wo ihr gerade steht. Dein inneres Bauchgefühl wird dir verraten, inwieweit du dich öffnen kannst. Der sogenannte "emotionale Striptease" in einer Beziehung kann für ein Paar unheimlich wertvoll sein. Er schafft eine gemeinsame, tiefe Vertrauensbasis, die nur euch als Paar vorenthalten ist.

Also frage dich nicht krampfhaft: Was sind Themen, über die man reden kann, sondern lasse den Dingen auch mal ihren Lauf.

Schlüssel Vertrauen

Kommunikation Mann - Frau: Gibt es Unterschiede?

Wir müssen reden? Richtig kommunizieren als Paar, hat auch immer etwas damit zu tun, die geschlechtstypischen Unterschiede zu beachten.

Frauen und Männer kommunizieren anders, das ist kein Geheimnis.

Beim weiblichen Geschlecht schwingt eher die emotionale Komponente mit. Männer sind mehr für das Sächliche zu begeistern.

Frauen reden lieber als Männer und gehen in Gesprächen mehr in die Tiefe. Ihnen reicht es nicht, Lösungen zu finden. Sie wollen auch die Ursachen für das Problem herausfinden. Männer möchte vor allem eins, eine schnelle Lösung und klare Fakten.

Kommunikationsforscher sprechen hier sogar von einer interkulturellen Kommunikation. Das heißt, Männer und Frauen sprechen zwei unterschiedliche Sprachen. Wollen sie erfolgreich miteinander sprechen, muss das eine Geschlecht erst die Sprache des anderen lernen.

Die Ursachen sind evolutionär begründet

Männer waren als Jäger dazu angehalten, sich knapp und sachlich zu verständigen. War ein Wildschwein in Sicht, zählten nur die Fakten und keine Emotionen. Frauen dagegen kümmerten sich um den Nachwuchs und waren für die sozialen Beziehungen zuständig. Sie hatten die Aufgabe, die Gemeinschaft zusammenzuhalten.

Also ist es doch nicht verwunderlich, dass Kommunikationsprobleme eine Beziehungskrise auslösen. Wir können den anderen einfach nicht verstehen! Das ist natürlich nichts weiter als eine Pauschalisierung.

Auch wenn unsere Eigenarten in der Evolution verankert sind, so haben wir uns doch weiterentwickelt. 

Frauen und Männer müssen heute beide in der Lage sein, faktisch und emotional zu kommunizieren. Das ist zum Beispiel im Berufsleben der Fall. Dennoch ist es sinnvoll, die Unterschiede im Blick zu haben. Sie helfen dir nämlich dabei, deinen Partner besser zu verstehen.

Kommunikation auf verschiedenen Ebenen

Es gibt nicht nur die offensichtliche und direkte Kommunikation.

Vielleicht wirst du das auch von dir kennen: Du bist mit deinem Partner nicht im selben Raum und trotzdem spürst du eine Verbindung zu ihm. Selbst, wenn er weit weg von dir ist, befindet sich da immer ein unsichtbares Band zwischen euch. 

Dann gibt es noch die Kommunikation zwischen den Zeilen. Dein Partner erzählt dir etwas, und du merkst, dass da noch mehr ist, was ihn belastet. Du kannst zu einem gewissen Teil in sein Inneres blicken, weil du ihn gut kennst und er dir sehr nahe ist.

Kommunikation ist immer eine ganzheitliche Angelegenheit. Zu ihr gehören die gesprochene Sprache, die Körpersprache und die Intuition. Du solltest dich nicht nur auf eine Fähigkeit verlassen. Deine innere Stimme meldet sich auch dann zu Wort, wenn äußerlich alles in  Ordnung scheint. Du musst nur lernen, auf sie zu hören.

Wenn man nicht mehr miteinander reden kann

Schleicht sich eine Kommunikationsproblematik in die Beziehung ein, ist es wichtig gleich anzusetzen.

Verhärtet sich diese zu extrem, ist das Beziehung retten gar nicht so leicht. Hier können dann nur noch ein professionelles Kommunikationstraining oder eine Paartherapie helfen. 

Es kann auch nicht schaden, sich einen Beziehungsratgeber zum Thema "Wir müssen reden" anzuschaffen. Hier gibt es zahlreiche Beziehungstipps, die sich im Alltag leicht umsetzen lassen.

Arbeitest du an eurer Paarkommunikation, wird sich auch die Beziehung verbessern. Dazu ist es wichtig, die Ursachen eurer Probleme herauszufinden.

Vielleicht musst du oder dein Partner dazu erst einmal an sich selbst arbeiten.

Eine mangelnde Selbstliebe oder eine schwerwiegende Bindungsangst können sich auch auf unser Kommunikationsverhalten auswirken.

Ebenso ist es möglich, dass an der Gesamtsituation etwas nicht stimmt. Kein Geld, zu wenig Freiraum, ein Störfaktor von außen ...

Auch das Offensichtliche muss einmal ausgesprochen werden. Um als Paar richtig miteinander sprechen zu können, muss eben das innere Gleichgewicht stimmen. Eifersucht, Liebeskummer oder eine Beziehung, die nicht auf Augenhöhe stattfindet, geben Raum zu permanenten Anfeindungen und Irrationalitäten.

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Für Singles, Paare, Familien und Teams gleichermaßen geeignet. Entwickle Meisterschaft in der Gestaltung lebendiger Beziehungen.

Fazit

Wir müssen reden! Diesen Satz vom Partner sollten wir nicht gleich als Katastrophe werten. Vielmehr können wir ihn als Chance sehen, die uns voranbringt.

Wird miteinander gesprochen, kommt es nicht zum Stillstand und das ist gut.

Versuche dabei die Grundregeln der positiven Kommunikation einzuhalten, dann wird diese fruchtbar. Das wird vielleicht nicht gleich beim ersten Mal funktionieren, doch irgendwann wirst du die Basics verinnerlichen.

Gute Kommunikation kann man lernen, dabei wünschen wir dir viel Erfolg!

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