Paartherapie – Wenn es mal nicht weiter geht

Beziehungsphasen

Paartherapie – Wenn es mal nicht weiter geht

In jeder Beziehung gibt es Höhen und Tiefen. Wenn zwei Menschen so eng miteinander leben, wie in einer Partnerschaft oder Ehe, gehören Unstimmigkeiten zum Alltag. Die Qualität einer Beziehung lässt sich nicht daran messen, wie oft gestritten wird.

Wichtig ist, ob und wie schnell wir aus der negativen Situation herauskommen. 

 

Es gibt Paare, die streiten sich einmal täglich über irgendwelche Kleinigkeiten. Bei anderen kracht es nur einmal im Monat, aber dafür sehr intensiv.

Das wichtigste Kriterium bei Beziehungskonflikten ist der Ausweg, den das Paar jedes Mal finden muss. Haben sich beide so auf ihrer Position festgebissen, dass es kein Übereinkommen mehr gibt, dann wird es schwierig.

Meistens fällt dann erstmals das Wort Trennung. Doch bevor dieser schwere Schritt gegangen werden muss, kann eine Paartherapie die Beziehung oder Ehe retten.

 

Was ist eine Paartherapie?

Zunächst einmal muss man die Begriffe Paarberatung beziehungsweise Eheberatung und Paartherapie voneinander abgrenzen. Auch wenn diese eng miteinander verwandt sind, unterscheiden sie sich in gewissen Punkten.

Die Paartherapie ist eine psychotherapeutische Behandlung, welche in einem therapeutischen Kontext stattfindet. Sie umfasst mehrere Sitzungen und gemeinsam mit dem Therapeuten arbeitet das Paar mit psychotherapeutischen Methoden an seinen Beziehungsproblemen bzw. Eheproblemen.

Eine Paar- oder Eheberatung hat, wie es der Name schon sagt, einen beratenden Charakter und weist meistens eine geringere Dauer und Intensität auf, als eine Therapie. Beides wird von Psychotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeitern oder Seelsorgern durchgeführt. In der Regel sind in den Sitzungen beide Partner anwesend, nach Bedarf sind aber auch Einzelgespräche möglich.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Paartherapie ist es, dass beide Parteien mit der Behandlung einverstanden sind.

 

Sollte es der Fall sein, dass nur einer von beiden bereit ist, sich auf die Hilfe des Therapeuten einzulassen, bringt es nichts, wenn der andere dazu gezwungen wird. Auch die Annahme, dass die Probleme in der Beziehung alleine durch die Schuld eines Partners zustande gekommen sind, ist keine gute Basis für die Therapie. In beiden Fällen ist es dann sinnvoller eine Einzeltherapie zu beginnen. 

Wenn du dich entschieden hast, dass es so nicht mehr weiter gehen kann und dein Partner für eine Paartherapie im Moment nicht offen ist, dann hast du das Recht trotzdem fort-zu-schreiten und dich zu ent-wickeln.

Wenn du dich veränderst, verändert sich dein Umfeld mit!

 

Wie rette ich meine Beziehung? Die erste Frage in einer Paartherapie.

Oft gehen Paare mit falschen Erwartungen in eine Therapie und denken ihre Beziehung ist am Ende und der Therapeut repariert sie einfach wieder. Aber erstens ist eine Paartherapie leider kein Garant dafür, dass eine unglückliche Beziehung wieder glücklich wird und zweitens der Therapeut kein Wunderheiler. Er wird die Probleme deiner Beziehung nicht lösen, sondern er versteht sich als Mediator und Begleiter.

Der Paartherapeut wird den therapeutischen Prozess anstoßen und, wenn nötig, leiten. Die eigentliche Arbeit aber hast du mit deinem Partner zusammen. Die Rat gebende Person begleitet das Ganze nur und stellt ein geschütztes Umfeld zur Verfügung.

Das Werkzeug für die Kittung der Beziehung bekommt ihr in die Hand, reparieren müsst ihr sie aber selbst. Der Therapeut begleitet euch nur ein kleines Stück, irgendwann steht ihr vor neuen Problemen und wenn ihr dann daran denkt, das Werkzeug zu benutzen, war die Therapie erfolgreich.

Wenn jeder seinen Anteil an der Situation erkennt, die Verantwortung dafür übernimmt und bereit ist sich zu ent-wickeln, dann seid ihr auf einem guten Weg.

 

Ich müsst euch bewusst sein, dass es für einen Streit immer zwei benötigt. Nur den anderen zu beschuldigen, bringt euch nicht weiter.

 

Welche Arten von Paartherapien gibt es?

Um als Therapeut mit seinen Klienten an dessen Beziehung zu arbeiten, gibt es drei verschiedene Ansätze.

Als Erstes wäre da die Verhaltenstherapie zu nennen. Hier werden nicht die Ursachen der Probleme analysiert, sondern das Verhalten in der Partnerschaft. Man befindet sich also nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart und Zukunft.

Ungünstige und beziehungsschädigende Verhaltensweisen werden gesucht, benannt und Alternativen aufgezeigt.

 

Ist beispielsweise Eifersucht ein ständiges Thema in der Beziehung, kannst du durch das Erlernen verschiedener Strategien deinem Partner wieder mehr Vertrauen schenken.

Dann gibt es noch die systemische Therapie. Hier werden sich das Beziehungsgefüge und die zirkulären Prozesse in der Partnerschaft genauer angesehen. Bei Bedarf findet eine Überarbeitung statt, damit die Stärken der Beziehung wieder zum Tragen kommen können.

Als letzte Art gibt es die tiefenpsychologische Therapie. Hier werden ungelöste Konflikte und seelische Belastungen aus der Kindheit auf das Gefühlserleben und Verhalten in der Partnerschaft übertragen. Das Thema Bindungsangst wird zum Beispiel häufig tiefenpsychologisch behandelt.

Innerhalb einer Paartherapie vermischen sich die Methoden oft, das hängt von dem Therapeuten, aber auch von den Klienten ab.

Ein häufiges Thema bei Paaren ist die weniger werdende Leidenschaft. Während man früher noch der Ansicht war, dass es für Sexualität und Partnerschaft eine getrennte Therapie geben muss, vereinigt die moderne Paartherapie heute beides.

 

Auf was musst du dich in einer Paartherapie einstellen?

Eine Beziehungskrise oder auch Ehekrise hat manchmal Ursachen, die du vielleicht nicht unbedingt vor anderen ausbreiten möchtest. Aber um eine Paar- / Ehetherapie erfolgreich abzuschließen, musst du dich öffnen. Dabei kann es auch mal passieren, dass dich die Äußerungen deines Partners in der Sitzung kränken oder peinlich berühren können.

Für die Hilfe bei einer Trennung oder die Behandlung von Liebeskummer ist ein paartherapeutisches Setting übrigens nicht geeignet. Aber es können innerhalb der Therapie Präventivmaßnahmen besprochen werden, um eine Trennung besser zu verarbeiten.

Nahezu alle Therapeuten bieten eine erste Kennlernstunde an. Hier ist Platz für eine Bestandsaufnahme der Problemsituation und eine Zielanalyse. Beide Seiten müssen miteinander arbeiten können. Die Klienten sollten sich bei ihrem Berater gut aufgehoben und verstanden fühlen.

Auch der Therapeut macht sich ein erstes Bild von dem Paar und wird entscheiden, ob eine Therapiearbeit für ihn möglich ist. Wenn dies nicht der Fall ist, wird er euch das mitteilen. Auch ihr solltet unbedingt offen sein, wenn ihr euch nicht wohlfühlt. Ein professioneller Therapeut wird euch das nicht übel nehmen.

Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, wenn Paare ein paar Anläufe benötigen, um den passenden Therapeuten zu finden. Schließlich legt ihr euer intimstes Leben vor ihm aus, da sollte die Chemie schon stimmen.

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