Bindungsangst – Umgang mit bindungsphobischem Partner

Bindungsangst – Umgang mit bindungsphobischem Partner

Wir alle kennen sie aus diversen Filmen, die unnahbare männliche Hauptrolle, welche  umwerfend aussieht und auch noch liebevoll und einfühlsam zu sein scheint. Frauen lieben ihn und umgekehrt. Doch sobald sich etwas Ernsteres entwickelt könnte, kommt dieser Satz:

„Ich bin im Moment noch nicht bereit für eine Beziehung!“

 

Ein absoluter Filmklassiker und meist ist es der Mann, welcher der Frau diese Worte vor den Kopf schmettert.

Was dahintersteckt, nennt sich Bindungsangst und ist keineswegs ein Produkt der Filmindustrie, sondern sehr real.

 

Allgemeines über die Bindungsangst

Die Angst davor sich zu binden, treibt den Betroffenen dazu, entweder gar keine Partnerschaft oder Ehe einzugehen oder sich in der Beziehung nicht richtig öffnen zu können.

Darunter leidet nicht nur der Betroffene, sondern auch der (potenzielle) Partner.

 

Es ist nicht so, als würden Menschen mit einer Bindungsangst keine Lust auf eine Beziehung haben. Vielmehr können sie mit so viel Nähe und Verantwortung nicht umgehen.

Meist wurden sie in ihrem Leben schwer enttäuscht und haben das Vertrauen in andere Menschen verloren. Die seelische Verletzung war für sie so schwer zu ertragen, dass sie Angst haben, diese noch einmal erleben zu müssen. Deshalb werden andere Menschen auf Distanz gehalten, was für eine Partnerschaft natürlich kontraproduktiv ist.

Es ist sogar möglich, dass sich bei einer Bindungsangst Symptome einstellen, die sich körperlich ausdrücken. Das können folgende Beschwerden sein:

  • Herzrasen
  • Mundtrockenheit
  • Schwitzen
  • schnelle Atmung
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Verdauungsprobleme,…

Bindungsängste stellen für eine Partnerschaft, ob diese schon länger besteht oder sich gerade im Aufbau befindet, eine große Herausforderung dar.

Ein richtiges Verhalten bei Bindungsangst gibt es nicht, denn Ursachen und Ausprägung können sehr verschieden sein.

 

Doch es gibt ein paar Dinge, die du im Umgang mit einem Bindungsphobiker beachten solltest.

 

1. Kommunikation in der Beziehung

Es ist der Lauf der Dinge, geht ein Mensch auf Distanz und lässt den anderen nicht mehr an sich heran, zerbricht das Fundament eines Beziehungsgefüges und es löst sich auf.

Nach einigen erfolglosen Versuchen, den anderen wieder näherzukommen, wird man seine Anstrengungen wahrscheinlich einstellen und die Beziehung aufgeben.

Für eine Partnerschaft bedeutet dies das Ende.

Damit das nicht passiert, musst du die Zurückweisung deines Partners richtig interpretieren können. Das kannst du nur, indem ihr miteinander sprecht und der eine über die Gefühle des anderen Bescheid weiß.

Weißt du, wie es in deinem Partner aussieht, kannst du seine Beziehungsangst und seine Verlustängste vielleicht auch besser einordnen und verstehen.

Missverständnissen lässt sich am besten vorbeugen, indem man miteinander spricht.

 

Auch wenn dein Partner dir vielleicht nicht das geben kann, was du möchtest, ist es wichtig zu verstehen, warum dies so ist.

 

Bindungsangst

 

2. Dem Partner keine Vorwürfe machen

Der Rückzug deines Partners resultiert aus einer tief sitzenden Unsicherheit. Er handelt so, weil er nicht anders kann oder weil seine Verlustangst oder andere Emotionen ihn im Zuge seiner
Bindungsangst dazu zwingen.

Du solltest prinzipiell nur Ich-Botschaften senden und ihn nicht verbal angreifen, in dem du ihm Vorwürfe machst.

Falsche Ausdrucksweise: DU bist so was von abweisend, mit DIR kann man überhaupt nicht reden. DU liebst mich einfach nicht.

Richtige Ausdrucksweise: ICH fühle mich im Moment etwas allein gelassen und bin traurig, dass wir UNS immer weiter voneinander entfernen. Vielleicht können WIR ja darüber sprechen, woran das liegen könnte.

Statt deinem Partner zu sagen, was er falsch beziehungsweise nicht macht, solltest du ihm lieber mitteilen, wie du dich fühlst.

 

Vorwürfe bestätigen ihn in seinen Ängsten. Er denkt, er macht alles falsch und ist zu einer Beziehung nicht fähig. Die Folge ist, dass er noch mehr auf Abstand gehen wird.

Indem du deine Empfindungen verbalisierst, teilst du ihm die gleiche Botschaft mit, nur besser verpackt. Hier lässt du den Partner im ersten Augenblick außen vor und redest nur von dir. So wird er sich nicht gleich angegriffen fühlen.

Das Adverb nie wird häufig in einen Vorwurf verpackt, damit wollen wir die Dringlichkeit verdeutlichen. Dabei ist das meist eine Übertreibung, in den seltensten Fällen hat der Partner den besagten Fehler schon immer gemacht, sondern meist nur in der letzten Zeit.

Dann solltest du dies auch so kommunizieren, in dem du zum Beispiel den Ausdruck im Moment verwendest. Gerade bei einem Partner mit einer bindungsphobischen Problematik sind solche haltlosen Übertreibungen nicht von Vorteil, sondern verstärken diese eher.

 

3. An der Selbstliebe arbeiten

Menschen mit Bindungsangst leiden meist unter einem geringen Selbstwertgefühl. Sie wurden in vorangegangenen Beziehungen verletzt. Neben Liebesbeziehungen können dies auch Freundschaften oder die Beziehung zu den Eltern gewesen sein.

Je nachdem, wie schmerzhaft die Verletzung empfunden wurde, hat sich der Gedanken in ihnen manifestiert, dass sie es nicht wert sind, geliebt zu werden. Keine besonderen Qualitäten, mangelnde Leidenschaft, kein Geld, der Betroffene fühlt sich minderwertig.

Er hat Angst, dass der Partner seine Mängel bemerkt und sich nach jemand anderem umschaut. Schwerwiegende Selbstwertprobleme sollten psychotherapeutisch abgeklärt werden.

Auch du selbst kannst einiges tun.

Wichtig ist, dass du deinem Partner das Gefühl gibst, dass du ihn brauchst und dass er etwas besonders gut kann. Er braucht so viel Bestätigung von außen, wie möglich. Außerdem kannst du ihn bremsen, wenn er denkt perfekt sein zu müssen, oder die Meinung anderer zu wichtig nimmt.

Menschen mit einer zu geringen Selbstliebe haben kein gutes Bild von ihrer eigenen Person und sind deshalb auch nicht gut zu sich selbst. Wenn dir auffällt, dass dein Partner in dieses Muster verfällt, kannst du ihn fragen, ob er mit anderen Menschen auch so kritisch und streng umgehen würde.

Meist ist das nicht der Fall und das macht ihm klar, dass er sich selbst zu unsanft behandelt.

Das gleiche gilt auf für dich. Wenn du spürst, dass dein Selbstwertgefühl unter dieser Beziehung leidet, dann versuche dich abzugrenzen. Du kannst deinen Partner nicht ändern. Das kann nur er selbst tun. Du hast aber die Verantwortung für dich und dein Wohlbefinden.

Nur wenn es dir gut geht, kannst du dein Umfeld positiv beeinflussen.

 

Wenn du dich minderwertig fühlst, dann kann es passieren, dass du auch so behandelt wirst.

 

Einige Tipps, wie du Selbstliebe aufbauen kannst, findest du unter Selbstliebe – die schwierigste Liebe unseres Lebens. Oder schreibe uns eine Email info (at ) lerne-zu-lieben.com und du erhälst von uns eine hilfreiche Anleitung und nach Bedarf auch eine persönliche Betreuung.

 

Denn, du bist wertvoll und Liebe ist dein Geburtsrecht!

Selbstliebe

 

4. Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Kindliche Traumata, Missbrauchserfahrungen oder komplexe Bindungsprobleme sind seelische Belastungen, die therapeutische Hilfe benötigen.

Hier müssen die Ursachen geklärt und Wege aufgezeigt werden, mit den Problemen umzugehen.

Menschen mit Bindungsangst fürchten sich vor einer Beziehung, weil sie das Gefühl haben, in zwischenmenschlichen Situationen zu versagen. Eine Partnerschaft würde ihnen ihre Defizite täglich aufs Neue präsentieren und im Zuge eines Selbstschutzmechanismus wollen sie dies unbedingt vermeiden.

Was für dich vielleicht selbstverständlich wirkt, ist für deinen Partner mit seiner Bindungsproblematik extrem schwer.

 

In einer Therapie, möglich ist auch eine Paartherapie, bekommt er Strategien und
Beziehungstipps unterbreitet, die ihm zeigen, wie man in zwischenmenschlichen Situationen nicht die Nerven verliert.

Die Kombination aus professioneller Hilfe und Eigenrecherche, beispielsweise durch das Lesen eines Beziehungsratgebers hat sich am besten bewährt.

 

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5. Die Anzeichen richtig deuten

Nicht jede Bindungsangst lässt sich gleich als solche erkennen. Bindungsphobiker wenden ganz unterschiedliche Strategien an, um eine Beziehung zu vermeiden.

Aktive Strategien sind zum Beispiel:

  • das spontane Beenden einer Beziehung ohne triftigen Grund,
  • das gewollte Provozieren einer Beziehungskrise oder einer übertriebenen Eifersucht
  • das bewusste Zurückziehen aus dem Beziehungsleben
  • die übermäßige Beschäftigung mit anderen Dingen, wie der Arbeit, Hobbys oder Freundschaften.

Diese Strategien sind ziemlich offensichtlich. Es gibt aber auch welche, die weniger leicht zu erkennen sind.

Zu den passiven Strategien gehören beispielsweise:

  • das Verlieben in unerreichbare Männer oder Frauen,
  • das sich hingezogen Fühlen zu potenziellen Partnern, die dem jenigen nicht guttun oder nicht
    zu ihm passen
  • das permanente Ignorieren von eventuellen Partnern, die gut geeignet sind.

Typisch für eine Bindungsangst ist auch das sogenannte Nähe-Distanz-Problem. Die Beziehung ist hier aus dem Gleichgewicht geraten.

Eine Partnerschaft basiert auf zwei entgegengesetzten KräftenDer Nähe, welche das Paar zusammenhält und die Autonomie, die das persönliche Vorankommen jenseits der Liebe garantiert.

Geht der Bindungsphobische immer mehr auf Distanz, kann es passieren, dass der andere Partner die fehlende Nähe ausgleichen möchte. Dieses Problem wird auf lange Sicht zu Konflikten führen.

Was der eine zu wenig hat, gibt der andere zu viel.

 

6. Auch Frauen leiden unter Bindungsangst

Die Angst vor der Liebe ist kein typisch männliches Problem. Zwar fällt es Männern schwerer, ihre lieb gewonnene Freiheit aufzugeben und sich auf eine Partnerin festzulegen, aber auch Frauen haben mit Bindungsproblemen zu kämpfen.

Es ist nicht nur der Mann, der bei einer Hochzeit kalte Füße bekommt.

 

Auch Frauen können leiden, wenn der Mann sich mit seiner Partnerin langfristig engagieren möchte, zum Beispiel durch eine gemeinsame Wohnung oder das Gründen einer Familie.

Egal, welches Geschlecht, bindungsphobische Anzeichen sollten auf beiden Seiten ernst genommen werden.

 

Eine Bindungsangst bei der Frau kommt heutzutage gleichermaßen oft vor, wie bei einem Mann. Leider herrschen auch heute immer noch stereotypische Ansichten, wie der Mann als ewige Junggeselle oder die Frau, die sich nicht binden will und damit wider ihre Natur handelt.

Heute ist das wesentlich komplizierter. Frauen haben alle Möglichkeiten, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es für richtig halten. Mit einer Lebenspartnerschaft und dem Gründen einer Familie geben sie ebenso ein Stück ihrer Freiheit her, wie es beim männlichen Geschlecht der Fall ist.

Auch beim Mann hat sich einiges verändert. Die heutigen Zeiten sind so schnelllebig und hektisch, dass er sich vielleicht nach etwas mehr Beständigkeit sehnt. Diese erhält er unter anderem, in dem er eine Partnerschaft eingeht oder eine Familie gründet.

Eine Bindungsangst beim Mann nur auf seine Lebenslust zu reduzieren, ist daher viel zu einfach.

 

7. Nicht gleich resignieren und der Beziehung Zeit geben

Du lernst deinen Partner kennen, ihr nähert euch langsam an und gewöhnt euch aneinander. Doch je mehr aus der anfänglichen Liebelei eine ernste Beziehung wird, geht er oder sie auf Abstand.

Irgendwann wird dir klar, dein Auserwählter beziehungsweise deine Auserwählte hat Angst vor einer Beziehung. Doch bevor du eine glückliche Beziehung gleich ad acta legst und dem
Liebeskummer damit den Weg ebnest, solltest du dir und dem anderen etwas Zeit
geben.

Es gibt verschiedene Phasen einer Beziehung und keine zeitliche Festlegung, wann die nächste Stufe erreicht werden muss.

Menschen mit einer Beziehungsangst sind nicht gleich bindungsunfähig.

 

Manchmal brauchen sie nur mehr Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Hier ist es am besten, wenn du deinen zukünftigen Partner auf sein Verhalten ansprichst und ihr gemeinsam herausfindet, wie ihr mit seiner Bindungsangst umgehen könnt.

 

8. Eigene Grenzen wahrnehmen und entsprechend handeln

Bei allem Entgegenkommen musst du für dich persönlich auch Grenzen ziehen.

Eine lange Beziehung kann nur dann zustande kommen, wenn beide Parteien glücklich sind.

 

Resultiert die Zurückweisung deines Partners aus dem Festhalten an seinem bisherigen Lebensstil, hat das weniger etwas mit emotionalen Problemen und Ängsten zu tun. Hier handelt es sich dann eher um Bequemlichkeit. Da liegt es an dir zu entscheiden, inwieweit du dies akzeptieren möchtest.

Eine Bindungsangst ist dann vorhanden, wenn einer Beziehung bestimmte Ängste und Sorgen im Weg stehen. Doch hat der andere einfach nur keine Lust seine bisherigen Gewohnheiten aufzugeben oder neue Verpflichtungen einzugehen, solltest du das Ganze noch einmal gründlich überdenken.

Vielleicht schwebt ihm sogar eine On-Off-Beziehung vor, weil er sich weitere Optionen offen
halten möchte.

Du bist die wichtigste Person in deinem Leben, also solltest du schauen, dass du glücklich bist.

 

Fazit

In jeder Beziehung kommt irgendwann der Punkt, wo eine gemeinsame Zukunft vorstellbar wird.

Beide Partner müssen sich einig sein, wie diese aussehen soll und gegebenenfalls in Verhandlung treten.

Gehen die Vorstellungen zu weit auseinander oder weicht einer der Partner bei dem Gedanken an eine dauerhafte Partnerschaft zurück, kann es sein, dass eine Bindungsangst vorliegt.

Diese stellt natürlich eine gewisse Schwierigkeit dar und kann zum Beziehungsproblem werden, aber daran lässt sich arbeiten. Wichtig ist es, die Ursachen herauszufinden, um die Phobie verstehen zu können. Je nach Leidensdruck ist eine Therapie sinnvoll.

Am besten geht man das Problem mit einem ganzheitlichen Lösungsansatz an, da die Ursachen meist breit gestreut sind.

Die gute Nachricht ist, die Bindungsangst zu überwinden ist möglich.

 

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Auch wenn die Partnerschaft schon besteht und sich in ihrem Verlauf die Bindungsproblematik herausstellt, lässt sich die Beziehung noch retten.

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