Beziehungsangst – Ursachen und Lösungsansätze

Beziehungsangst – Ursachen und Lösungsansätze

Was so schön begonnen hat, endet für Menschen, die unter Beziehungsangst leiden meist in einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Beziehungsphobiker verlieben sich wie jeder andere auch. Doch sobald sich das anfängliche Verliebtsein zu einer Beziehung etablieren möchte, wird die Reißleine gezogen.

Die Angst vor intensiver Nähe rührt daher, dass die Betroffenen chronisch verunsichert sind. Ist diese Unsicherheit so extrem ausgeprägt, dass eine Beziehung gar nicht erst zustande kommen kann, spricht man sogar von beziehungsunfähig.

 

Ist die Angst vor einer Beziehung ein Männerproblem?

Im Allgemeinen wird das Phänomen der Beziehungsangst beziehungsweise Beziehungsunfähigkeit als ein Männliches angesehen.

Wir haben dieses typische Bild im Kopf von einem Mann, der Angst hat seine Unabhängigkeit zu verlieren und Verantwortung und Verpflichtungen einzugehen.

Natürlich gibt es Männer, die bei diesen Aussichten binnen weniger Minuten die Flucht ergreifen, aber das gilt genauso für Frauen.

Gerade die Jüngeren haben ebenso Angst ihre persönlichen Freiheiten aufgeben zu müssen und bleiben deshalb lieber ungebunden.

Eine Bindungsangst bei der Frau rührt nicht selten daher, dass ihnen in der heutigen Zeit alle Türen offen stehen. Sie haben dann die Befürchtung sich für den Partner einschränken zu müssen.

 

Beziehungangst

 

Was sind die Gründe für eine Beziehungsangst?

Manche Beziehungsphobiker sind gar nicht in der Lage eine Beziehung einzugehen. Andere wiederum lassen sich auf eine Liebe ein, bekommen aber dann Beklemmungen, wenn diese zu eng wird.

Die Gründe hierfür sind unterschiedlich und reichen von tief sitzenden Komplexen bis hin zur Abneigung, das bisherige ungebundene Leben aufzugeben.

 

Hier sind die sechs häufigsten Ursachen für eine Beziehungsangst.

  1. Schutz vor Verletzung

In der Liebe und Partnerschaft gibt es keine Garantie, dass du am Ende nicht verletzt wirst.

Je näher du einen Menschen an dich heranlässt, desto mehr kann er dir auch wehtun.

Das ist eine Angst, die viele Menschen umtreibt. Wenn dich diese Furcht darin hindert, dich auf eine Partnerschaft einzulassen, handelt es sich um eine Beziehungsangst.

Die Erfahrung einer Verletzung, nach dem man sich einem anderen Menschen gegenüber geöffnet hat, kann sich tief in unsere Psyche manifestieren. Als Konsequenz werden derart intensive Beziehungen gemieden, um sich vor neuen Verletzungen und Zurückweisungen zu schützen.

Ein Selbstschutzmechanismus, die Grundlage für Enttäuschungen und Liebeskummer, wird einfach eliminiert.

Beziehungsangst hat also auch immer etwas mit Verlustangst zu tun.

 

  1. Das Singleleben nicht aufgeben wollen

Hat man sich einmal an sein Leben in Unabhängigkeit gewöhnt, ist es gar nicht so einfach, dieses wieder aufzugeben. Singles haben alle Freiheiten und müssen auf keinen Partner Rücksicht nehmen.

Menschen, die rastlos sind und keine Lust auf Gewohnheiten haben, fällt es häufig schwer sich auf eine Partnerschaft einzulassen.

Die Angst vor dem Beziehungsalltag, vor Langeweile und Konflikten, machen es den Betroffenen fast unmöglich, sich zu einem Partner zu bekennen.

Für manche hat sich das Singledasein regelrecht als Lebenskonzept etabliert.

 

  1. Traumatisierende Bindungserlebnisse

Negative Erlebnisse in der Kindheit, wie der Verlust eines wichtigen Menschen oder die Trennung der Eltern, können sich auf unsere Beziehungen im Erwachsenenalter auswirken.

Auch mangelnde Zuneigung oder Ablehnung in Kindheitstagen sind belastende Erlebnisse in der Biografie, die für das spätere Leben von Bedeutung sein können.

Macht ein Mensch die Erfahrung, dass er die Nähe, die er braucht, nicht bekommt, ist es möglich, dass daraus die Angst vor einer Beziehung entsteht. Er denkt, er wird diese Zuneigung wieder nicht bekommen.

Das Zulassen von Nähe hat sich im Unterbewusstsein zu etwas Schmerzhaftem und Negativem anvisiert.

 

Beziehungsangst, erlebte Trennung in der Kindheit

 

  1. Die Aussicht auf etwas Besseres bleibt

Menschen, die zu übermäßigen Perfektionismus neigen, sind selten mit dem Istzustand zufrieden.

Sie haben Angst, wenn sie sich mit einer Sache zufriedengeben, dass ihnen etwas Besseres entgehen könnte. So verhält es sich auch mit einer Partnerschaft.

Lässt man sich auf einen Menschen ein, werden gleichzeitig auch die Bemühungen eingestellt, den richtigen Lebenspartner zu finden. Doch anstatt darüber glücklich zu sein, schleichen sich Befürchtungen ein, dass es irgendwo da draußen doch noch einen geeigneteren Gefährden für sein Leben gibt.

Die permanente Unruhe und Rastlosigkeit kann zur Folge haben, dass sich dadurch die Angst vor einer dauerhaften Bindung beziehungsweise Beziehung entwickelt.

 

  1. Minderwertigkeitsgefühle und Angst vor einer Bindung

Das Gefühl nicht liebenswert beziehungsweise minderwertig zu sein, sitzt meist tief.

Die Selbstliebe ist wohl die schwierigste Liebe in unserem Leben.

Wer sich mit solchen Ängsten plagt, wird es schwer haben, sich auf eine Beziehung einzulassen. Automatisch wird dem Partner unterstellt, dass er sich bald wieder trennen wird, weil man es nicht wert ist, geliebt zu werden.

Aus Angst vor dem Verlassen werden, gehen Betroffene lieber gar keine Beziehung ein oder beenden diese vorzeitig. Sie denken, der Trennungsschmerz ist schlimmer, als der Verzicht auf eine Partnerschaft.

Manche Menschen reagieren regelrecht panisch, wenn sich eine Beziehung entwickelt, und ergreifen die Flucht, bevor es ernst werden kann.

 

  1. Schlechte Erfahrungen im Hinblick auf eine Beziehung

Es gibt sogar Menschen, die selbst noch nie in einer Partnerschaft gelebt haben und trotzdem davor Angst haben.

Manchmal reichen schon Eindrücke aus, die durch das Beziehungsleben aus dem näheren Umfeld entstanden sind. Wenn es da Probleme gab oder sich einer der beiden Partner durch die Liebe stark verändert hat, kann dies auf Abneigung stoßen.

Die Folge ist das Treffen der Entscheidung, dass man so etwas für sich persönlich nicht möchte.

Auch die Erfahrungen mit eigenen vorangegangen Beziehungen, kann dazu führen, dass man sich vor einer neuen Partnerschaft fürchtet.

 

Beziehungsangst junge Frau

 

Welche Anzeichen deuten auf eine Beziehungsangst hin?

Der deutlichste Hinweis für eine Beziehungsangst ist, dass der Betroffene immer unruhiger wird, je konkreter, harmonischer und intensiver die Beziehung zu werden scheint.

Häufig kommt es zu irrationalen Verhaltensweisen, wie die Abwendung vom Partner, obwohl man ihn liebt.

Auch Aggressionen dem anderen gegenüber, wenn er einem zu Nahe kommt, sind keine Seltenheit.

Oft werden sich in der Beziehung Strategien überlegt, um den Partner auf Abstand zu halten.

Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Vorschieben einer Schnarchproblematik, um vom Partner getrennt schlafen zu können. Oder das permanente Überstunden machen, nur damit man so lange wie möglich alleine auf Arbeit bleiben kann.

Eine Trennung wird somit unbewusst heraufbeschworen und der geliebte Mensch wird ständig vor den Kopf gestoßen.

Ein weiteres Anzeichen ist es, wenn sich der Leidtragende vermehrt Partner sucht, von denen er genau weiß, dass diese sich ohnehin bald wieder trennen werden.

Das können deutlich ältere Partner sein, sogenannte Lebemänner, jemand, der von Berufs wegen ständig unterwegs ist oder weit weg wohnt. Die Chance, dass hier eine dauerhafte Bindung entstehen kann, ist verhältnismäßig gering. Das machen sich Beziehungsphobiker, meist unbewusst, zunutze.

Es gibt auch körperliche Begleiterscheinungen im Rahmen einer Bindungsangst.

Symptome, bei zu intensiver Nähe:

  • Schwitzen
  • Schwindel
  • Herzrasen
  • Beklemmungsgefühl
  • Zittern
  • Mundtrockenheit…

Dies sind typische Anzeichen für eine Angstreaktion. Diese können ebenso bei einer Angst vor Beziehungen auftreten.

Betroffene beschreiben ihre Panik auch oft als Gefühl nicht mehr atmen zu können oder zu ersticken.

 

Sind Menschen, die unter einer Beziehungsangst leiden auch beziehungsunfähig?

Das lässt sich so pauschal auf keinen Fall sagen.

Menschen, die von einer Beziehungsangst betroffen sind, wünschen sich oft eine Beziehung und leiden stark darunter, dass ihnen ihre Ängste dabei im Weg stehen.

Ist die Angst so groß, dass sie eine Beziehung partout vermeiden wollen, dann lässt sich von einer Beziehungsunfähigkeit sprechen. Dieses Problem muss aber kein Dauerzustand sein.

Eine Bindungsangst kann man überwinden, wenn man daran arbeitet.

 

Es gibt aber auch Menschen, die einfach keine Lust auf eine Beziehung haben. Das betrifft vor allem Leute, die sehr egoistisch sind. Ihre eigenen Bedürfnisse sind ihnen am wichtigsten und sie möchten keine Kompromisse eingehen, die eine Beziehung nun mal zwangsläufig mit sich bringt.

Den Leidensdruck, welchen Beziehungsphobiker spüren, weil sie sich sehnlichst eine Partnerschaft wünschen, haben die Bindungsunfähigen in der Regel nicht.

Zu unterscheiden ist die Bindungsangst auch von der Berührungsangst. Diese bezieht sich auf die Angst vor körperlicher Nähe. Sie hat ihre Ursache meist in erlebten Grenzüberschreitungen der persönlichen Distanzzone. Das können ungewollte Berührungen und im schlimmsten Fall sexuelle Missbrauchserfahrungen sein.

Es ist aber auch möglich, dass die Betroffenen als Kind zu wenig körperliche Nähe erhalten haben. Sie wurden beispielsweise von ihren Eltern nur selten in den Arm genommen oder in der Schule wegen ihres Körpers ständig gehänselt.

Zwar sehnen sie sich als Erwachsener nach Berührungen und Zärtlichkeit, können diese aber nicht zulassen. In ihnen wohnt der Gedanke, dass sie es nicht wert sind, liebevoll berührt zu werden.

Beziehungsphobiker hingegen haben mit körperlicher Nähe meist kein Problem.

 

Beziehungsangst, Kindheit ohne Nähe

 

Welche Herausforderungen kommen auf den „gesunden“ Partner zu?

Bei einer so komplexen Thematik, wie die der Beziehungsangst, sollte auch der Partner betrachtet werden.

Oftmals sieht dieser sich hilflos den Verhaltensweisen des anderen gegenüber. Meist sind diese für ihn nicht nachvollziehbar. Vor allem, wenn die Angstreaktion besonders schöne und innige Momente stets und ständig zerstört, ist das für die Beziehung eine enorme Belastungsprobe.

Reagiert der Betroffene dann im Zuge seiner Beziehungsangst auch noch mit verletzenden Verhaltensweisen auf die Nähe des Partners, stellt ihn das vor eine besonders große Herausforderung.

Aber hier sind Geduld und Verständnis das Einzige, was helfen kann. Wird mit Abweisung und Rückzug reagiert, bestärkt das den Partner nur in seinen Ängsten und es besteht die Gefahr, dass diese Belastungen irgendwann das Beziehungsende bedeuten.

Der Angstleidende wird sich zunehmend schuldiger fühlen und sich vielleicht auch schämen.

Er will seinen Partner gar nicht vor den Kopf stoßen, kann aber oft nicht anders.

Er ist gefangen in seiner Angst, was für ihn natürlich besonders schlimm ist.

Hier ist Offenheit das beste Mittel. Sprich mit deinem Partner über deine Sorgen und Ängste, nur so kann er dich verstehen. Neben dem solltest du dir unbedingt Hilfe suchen, damit du aus diesem erlernten Muster wieder herauskommst.

 

Wie kann man die Beziehungsangst überwinden?

Der Grundstein für eine Veränderung im Leben ist stets, die Anerkennung, dass man ein Problem hat.

Es ist wichtig, dass du für dich entscheidest, etwas ändern zu wollen.

Die Bindungsangst beim Mann wird häufig immer noch als typisch männlich abgetan, dabei leiden diese ebenso darunter, wie die Frauen. Hilfe kannst du in einer Therapie und in entsprechenden Kursen oder Gruppen erhalten.

Sinnvoll ist es immer, erst einmal Ursachenforschung zu betreiben. So wie es unterschiedliche Gründe für dein Problem gibt, sind natürlich auch verschiedene Lösungsansätze möglich. Auf diesem Weg unterstützt dich ein Psychotherapeut.

Bindungsangst, Paartherapie

 

Bei einer Bindungsangst eine Therapie in Anspruch zu nehmen, ist vor allem dann sinnvoll, wenn körperliche Symptome hinzukommen.

Angstsymptome sollten immer therapeutisch abgeklärt werden, damit sich keine Angst- oder Panikstörung entwickelt.

Zum Thema Beziehungs- und Bindungsangst gibt es auch zahlreiche Literaturangebote, die sich als Ergänzung zu einer Therapie oder Beratung als sehr nützlich herausgestellt haben.

Auch der Austausch mit Betroffenen, beispielsweise in einer Selbsthilfegruppe oder im geschützten Rahmen einer Gruppentherapie kann eine gute Hilfestellung sein.

Es lohnt sich allemal, an seiner Beziehungsangst zu arbeiten.

Das wird nicht von heute auf morgen funktionieren, schließlich hat sich dieses Angstgefühl auch über einen langen Zeitraum hinweg entwickelt. Doch bleibst du am Ball und lässt dich gegen deine Bindungsangst auf eine Therapie ein, stehen die Chancen auf eine langfristige Besserung sehr gut.

 

Alternative Heilmethoden, wie die Hypnose, sind ebenfalls eine gute Begleitmaßnahme.

Hier wirst du in eine Art Trance versetzt, um den Zugang zu deinem Unterbewusstsein zu erlangen. Deine innersten Überzeugungen können beispielsweise mithilfe von Suggestionen (Positive Beeinflussung der unerwünschten Gedanken) und Affirmation (Bejahung der erwünschten Gedanken) geändert werden.

Haben wir mit etwas sehr schlechte Erfahrungen gemacht, schützt die Angst uns davor, dies noch einmal erleben zu müssen.

Die Emotion Angst ist also keinesfalls nur negativ zu betrachten, sondern sie erfüllt für uns eine lebenswichtige Schutzfunktion.

Wäre dem nicht so, würden wir uns ständig in Gefahr begeben oder uns extremen seelischen Belastungen aussetzten.

Gleichzeitig gibt es da aber auch das Bedürfnis nach Nähe und Zweisamkeit. Hier beginnt es schwierig zu werden. Die Beziehungsangst sorgt dafür, dass wir alleine bleiben und dies ist wider unsere Natur. Was dann entsteht, ist ein Leidensdruck.

Aus diesem Grund muss die Beziehungsangst behandelt werden.

Sich den eigenen Ängsten stellen ist nie einfach. Ist der erste Schritt in die richtige Richtung getan, werden auch die ersten Erfolge kommen und diese bestärken dich zum Durchhalten.

Die passenden Worte für den Schluss stammen von dem bekannten Schauspieler John Wayne:

Mut ist, wenn man Todesangst hat, aber sich trotzdem in den Sattel schwingt.

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